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Das Untertreiben nicht übertreiben - Guter Vorsatz für 2024: gute Meinung von sich selbst

Leben & Wohnen
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12/19/2023
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„Denk bloß nicht, dass du was Besonderes bist. Fühle dich anderen nicht ebenbürtig. Halte dich nicht für klüger. Bilde dir nicht ein, besser zu sein oder mehr zu wissen als andere. Halte dich nicht für wert. Denke nicht, dass du anderen was beibringen kannst.“ Oh weh, das liest sich ja richtig schlimm. Und ist doch irgendwie vertraut. Denn so ungnädig von sich selbst zu denken und danach zu handeln wurde generationenlang durch Schule, Lehrmeister, Elternhaus als besonders tugendhaft vermittelt, geradezu eingetrichtert. Und so ganz ist es wohl noch immer nicht aus unseren Köpfen. Gerade auch in der Handwerkstradtion gehörte es viel zu lange zum guten Ton, sich und andere zu Selbstbescheidung zu erziehen. Stolz durfte man allenfalls auf sein Werk sein, aber bloß nicht auf sich selbst. Erst recht sollte man nicht sichtlich selbstsicher auftreten. Bis heute hat sich so einiges davon gehalten.

 

Zurückhaltung und Zurückgenommenheit des Auftretens tragen allerdings indirekt mit dazu bei, dass Handwerksberufe auf junge Menschen heute weniger anziehend wirken; das lässt sich aus Imagestudien folgern. Meisterinnen und Meister, Chefinnen und Chefs von Handwerksunternehmen sind noch viel zu selten als Vorbilder wahrnehmbar. Als tolle, coole Rollenmodelle, denen man nacheifern möchte, um so zu werden wie sie. Was unter anderem daran liegt, dass selbst die Erfolgreichsten unter ihnen kein Aufheben von ihren Erfolgen machen. Erst recht nicht selbstbewusst zeigen, was sie alles draufhaben. Das kann, darf und sollte man ändern. Um seiner selbst willen, für Team und Nachwuchs und auch für den Markterfolg.

 

Susanne Haus, Meisterin, Unternehmerin, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern sowie Mitglied in mehreren Aufsichtsräten, hat im Vorjahr in einem Hessenschau-Interview darauf hingewiesen, dass vor allem auch der Auftritt nach außen sehr stark mitbestimmt, ob man als attraktiv wahrgenommen wird. Das geht vom persönlichen Erscheinungsbild über Firmendesign und Arbeitskleidung bis hin zu professionellen Marketing- und Markenstrategien. Dafür braucht es eventuell Investitionen, aber vor allem auch mehr Mut zu Selbstdarstellung und Öffentlichkeit.

 

Doch immer wieder ist zu erfahren, dass es im Handwerk allenthalben mit dem Untertreiben übertrieben wird. Ja, man hört sogar, dass manche ihren Erfolg fast schon vertuschen. Auch beim Werbeauftritt wird wenig gewagt. Man passt sich eher an, statt sich zu unterscheiden. Nur keinen Neid, kein Aufsehen erregen. Mitarbeiter und Auszubildende wünschen sich jedoch selbstbewusste und stolze Chefinnen und Chefs; die ideale Arbeitgeberfirma hat das Prestige einer angesagten Marke. Das unterstreichen auch Fachpublikationen wie zum Beispiel ein bekannter Buchtitel, der den kritischen Faktor besonders treffend auf den Punkt bringt: „Warum so bescheiden, Ihr Handwerker?“ 

 

Ähnlich deutlich sagt es eine altbekannte Redensart: „Nur keine falsche Bescheidenheit!“ Viel Wahrheit und Weisheit liegt in diesem alten Spruch. Er rügt nämlich nicht bloß zur Schau getragene Demut. Ebenso warnt der Spruch, dass Selbstbescheidung an sich falsch sein kann, nämlich schädlich. Genau das zeigt übrigens der skandinavische Romanklassiker auf, dem die bedrückenden Gedanken und harten Worte in der Einleitung dieses Blogbeitrags entstammen. Der 1933 erschienene Roman rechnete rigoros mit dem Zwang zu Bescheidenheit und Anpassung ab.

 

90 Jahre später darf man die schon damals fragwürdigen Lehren getrost über Bord werfen. Tun wir´s, und setzen in unserer persönlichen Rangliste der „Guten Vorsätze 2024“ ein positiveres Selbstgefühl und mehr Mut zu Stolz und Stärke ganz oben auf Platz 1.


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